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Grünes Blut

Mercè Rodoreda: „Der Garten überb_2014_rodoreda_4 dem Meer“, mareverlag 2014.

Vor kurzem ist Leonard Nimoy gestorben. Oder sollte ich besser sagen Mr. Spock? Denn weltweit wird er wohl als eben dieser Erste Offizier des Raumschiffs Enterprise in Erinnerung bleiben. Das faszinierende an Spock lag vor allem in seiner scheinbaren Widersprüchlichkeit begründet. Dem nüchtern denkenden, vernunftgesteuerten Halbvulkanier lag die Gefühlswelt der Menschen fremd, doch ausgerechnet diese Eigenschaft machte ihn zu einem der beliebtesten Figuren, sogar über das Star-Trek-Universum hinaus. Spocks Neutralität erscheint wie buddhistische Gleichmut, wie eine absolute Gelassenheit, in der Emotionalität nicht möglich ist. Und gleichzeitig schwingt da immer auch diese Melancholie mit, die sich einstellt, wenn sich das Gefühlsleben immer auf Nulllinie bewegt, während rundherum gelacht und geweint wird. Nimoy, der übrigens auch Dichter war, setzte kurz vor seinem Tod einen Tweet ab, der mit der Einsicht eines alten Mannes diesen melancholischen Eindruck noch einmal verstärkt:„A life is a garden. Perfect moments can be had, but not preserved, except in memory.“ („Ein Leben ist ein Garten: Perfekte Momente können erlebt, aber nicht bewahrt werden – außer in der Erinnerung.“) Grünes Blut weiterlesen