Der Ohrensessel lässt grüßen

Galbraith_KuckuckRobert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet Verlag 2013

Ich liebe Krimis und fürchte mich vor Thrillern. Mittlerweile habe ich den Eindruck, die Blutrünstigkeit erfährt immer neue Höhepunkte und hat noch unendlich viel Luft nach oben. Ich weiß, Autor und Werk sollte man nicht unbedingt in einen Topf werfen. Dennoch komme ich nicht umhin, mich zu fragen, was für Menschen sich solche Abgründigkeiten ausdenken? Selbst wenn Stieg Larsson noch lebte, würde ich mich von ihm nicht auf eine Zimtschnecke einladen lassen. Da bin ich feige.

Meine jugendlichen Bibliotheksausflüge hingegen haben mich mit Agatha Christie verkuppelt. Ich weiß noch wie enttäuscht ich war, als es irgendwann einfach nichts mehr von ihr zu lesen gab. Ende. Aus. Mrs. Christie konnte halt aus dem Jenseits schlecht für Nachschub sorgen. Hercule Poirot mit seinen „kleinen grauen Zellen“ war mein Held und „Cluedo“ halte ich immer noch für ein aufregendes Spiel.  Und spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, wie zart besaitet ich bin.

Kein Wunder also, dass ich mit Robert Galbraiths „Der Ruf des Kuckucks“ in meiner persönlichen Komfortzone angelangt bin. Kein Blut, keine Massaker, kein Menschenhandel, keine Psychopathen. Sicher, das Buch ist keine literarische Meisterleistung und trotz Anstrengung habe ich keinen einzigen zitierbaren Satz gefunden, aber das Buch ist solide gemacht. Robert Galbraith ist J.K. Rowlings Pseudonym und ich gestehe, dass ich keinen einzigen Harry-Potter-Band gelesen habe. Schließe es jetzt aber auch nicht  mehr aus.

Die Hauptfiguren des „Kuckucks“ sind der mufflige Ermittler Cormoran Strike und sein weiblicher Watson, Robin Ellacott. Beide arbeiten gemeinsam an einem längst abgeschlossenen Fall um einen vermeintlichen Suizid und finden selbstverständlich den wahren Täter, nicht ohne sich dabei selbst in Gefahr zu begeben. Das Mordopfer mit dem Spitznamen Kuckuck war jung und schön und der Täter hielt sich naturgemäß für extra pfiffig. Das Ganze spielt in der gehobenen englischen Gesellschaft und ist mit drogensüchtigen Adligen und verschlagenen Anwälten gewürzt. Mord bei den oberen Zehntausend beruhigt ja bekanntlich ungemein. Modernität bekommt das alles durch den in Afghanistan verwundeten Detektiv Cormoran Strike. Und mit den sympathischen Ermittlern hat Galbraith schon die halbe Miete drin: Das Duo ist sympathisch und hat ein Privatleben, dass besonders in Robins Fall noch nicht auserzählt ist. Vielleicht geht ja auch noch was mit den beiden? (Und schon hat man Lust auf den nächsten Band bekommen. So verkauft man halt Bücher.)

Es macht einfach Spaß, mal wieder auf das klassische Locked-Room-Setting zu treffen und Strike bei seinen Verhören zu begleiten. Endlich mal wieder Widersprüche, heiße Spuren und falsche Fährten, die das aufmerksame Lesen belohnen.
Da stört es auch nicht wirklich, dass manche Passagen so ihre Längen haben und ich mich während der Lektüre fragte, was eigentlich die Kapitelgliederung mit den vorangestellten Latein-Zitaten soll. Vielleicht möchte Galbraith damit der schnöden Unterhaltung ja mehr Tiefe geben – das alte Leid der Krimiautoren. Die fühlen sich ja oft in die Schmuddelecke, ins Triviale, verbannt und wollen deshalb um so verzweifelter beweisen, dass sie gebildet sind, schreiben können, einen Plot entwerfen, Charaktere sezieren usw. können. Unnötig, wie ich finde.
Wenn am Ende alles aufgeht und ich nicht durch „übernatürliche Gewalt und Doppelgänger“ (aus den 10 Regeln des Detection Club) hinters Licht geführt werde, bin ich zufrieden. Und habe noch Energie fürs nächste Buch.

Wem schenken?
Egal, passt immer.

Wo lesen?
im Ohrensessel, im Bett, im Zug…

Wenn dieses Buch ein Essen wäre,
so wäre es Schnitzel mit Pommes und Salat.

bei buch.7.de kaufen

 

3 Gedanken zu „Der Ohrensessel lässt grüßen

  1. Hey!
    Eine tolle Rezension. Der Ruf des Kuckucks liegt schon länger auf meinem SuB und dank euch habe ich es endlich nochmal hervorgeholt und es nach ganz oben gelegt:)
    Liebe Grüße
    Svenja

    1. Liebe Svenja,

      das freut mich natürlich sehr. Wünsche Dir viel Spaß mit Robin und Cormoran.

      Viele Grüße, Henrike

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