Archiv der Kategorie: Krimi

Krimi mit besonderen Vorzügen

fitzgerald_-_exHelen FitzGerald: „Ex“, Galiani Berlin 2015

Wenn mein Zweilesen-Kollege Sebastian seinen Ausflug in die Krimiwelt doch mit „Ex“ begonnen hätte! (zu Sebastians Text) Dann wäre seine Abneigung gegen Kriminalliteratur nicht gewachsen, sondern geschrumpft. Da bin ich mir ganz sicher.
Aber ist „Krimi“ für „Ex“ eigentlich die korrekte Genrebezeichnung? „Ex“ ist unterhaltsam, und das muss ein Krimi ja sein. „Ex“ ist spannend und auch das sollte ein Krimi unbedingt sein. Und „Ex“ handelt schließlich von Mord, genauer gesagt von Serienmord. Und damit hätten wir ja dann alle Krimi-Grundzutaten beisammen. Wenn da nicht die Erzählerstimme, die Perspektivwechsel und vor allem die unzähligen Wendungen wären, die weit über den klassischen „Whodunit“ hinausgehen. Durch die Ich-Erzählerin und die Cliffhanger im Plot weist „Ex“ sogar Merkmale eines Thrillers auf, dem aber glücklicherweise die Blutrünstigkeit fehlt. In dieser Hinsicht hält sich Helen FitzGerald vornehm zurück, auch wenn sie sonst nicht mit deutlichen Worten geizt. Aber  Genrebezeichnungen wie Thriller, Krimi oder Beziehungsroman charakterisieren diesen erfrischenden Roman nur unzureichend. „Ex“ passt einfach in keine Schublade und ist dadurch besonders schön zu lesen – aus inhaltlicher und erzählerischer Hinsicht.
Von Helen FitzGerald hatte ich noch nichts gehört und gelesen, bis mich Galiani Berlin per Mail auf „Ex“ hinwies. Und weil ich mich bei der Lektüre-Auswahl ja gern treiben lasse, griff ich zu. (Wahrscheinlich lag es auch daran, dass ich gerade wenig Lust auf all die wartenden Bücher hatte und ich mich nach einem schönen Krimi sehnte. Ja, so unterscheiden wir uns, Kollege Sebastian und ich.) Völlig unvoreingenommen und ohne jede Erwartung machte ich mich ans Lesen. Und ehrlich gesagt, hatte ich auch noch einige Ausweich-Bücher ins Urlaubsgepäck gelegt. Nur so zur Sicherheit. Krimi mit besonderen Vorzügen weiterlesen

Wie ich einmal einen Krimi las

Bretonische Verhaeltnisse von Jean-Luc BannalecJean-Luc Bannalec: „Bretonische Verhältnisse“. Goldmann Verlag 2013

Ok, zugegeben, dieser Text ist nicht fair. Denn hier geht es um einen Krimi, und ich kann mit Krimis nichts anfangen. Ich bin auch kein passionierter Tatort-Zuschauer, lasse mich zwar gelegentlich von der Kritik im Vorfeld verleiten, ertappe mich dann aber dabei, wie ich die Nebendarsteller nach Bekanntheitsgrad abklopfe, um auf diese Weise den Täter zu stellen. Am Anfang stirbt einer und Ende weiß man, wer es war – so meine laienhafte Zusammenfassung eines typischen Plots dieser Gattung. Trotzdem dachte ich mir vor kurzem, jetzt sei die Zeit gekommen, dass ich mal einen richtigen Krimi lese. „Das kann doch nicht sein, dass so viele Menschen ein Buch nach dem anderen dieser Sorte verschlingen und ich auf diesem Auge völlig blind bin“, dachte ich mir. „Irgendwas muss das doch haben, dieses ,Fälle lösen‘.“ Ich wollte dazugehören, zum Detektivclub, der mit mir jeden Morgen in der Bahn zur Arbeit pendelt. Wie ich einmal einen Krimi las weiterlesen

Frau Taschler, Herr Glauser und der Preis

DeutschlehrerinJudith W. Taschler: „Die Deutschlehrerin“, Droemer 2014

Ab und an schaue ich nach, wer denn diesmal den Glauser-Preis gewonnen hat. Im Jahr 2014 ging er an Judith W. Taschler und ihren Roman „Die Deutschlehrerin“. Für alle, die den Preis nicht kennen: Seit mehr als 20 Jahren wird der „Glauser“ für den besten Kriminalroman verliehen. Und zwar vom „Syndikat“, der Autorengruppe deutschsprachiger Krimi-Schriftsteller. Das Preisgeld von 5000 Euro bringen die Autoren selbst auf; für solch hochkarätige Mitglieder wie Sebastian Fitzek und Ingrid Noll dürfte das ja kein Problem darstellen. Frau Taschler, Herr Glauser und der Preis weiterlesen

Der Ohrensessel lässt grüßen

Galbraith_KuckuckRobert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks, Blanvalet Verlag 2013

Ich liebe Krimis und fürchte mich vor Thrillern. Mittlerweile habe ich den Eindruck, die Blutrünstigkeit erfährt immer neue Höhepunkte und hat noch unendlich viel Luft nach oben. Ich weiß, Autor und Werk sollte man nicht unbedingt in einen Topf werfen. Dennoch komme ich nicht umhin, mich zu fragen, was für Menschen sich solche Abgründigkeiten ausdenken? Selbst wenn Stieg Larsson noch lebte, würde ich mich von ihm nicht auf eine Zimtschnecke einladen lassen. Da bin ich feige.

Meine jugendlichen Bibliotheksausflüge hingegen haben mich mit Agatha Christie verkuppelt. Ich weiß noch wie enttäuscht ich war, als es irgendwann einfach nichts mehr von ihr zu lesen gab. Ende. Aus. Mrs. Christie konnte halt aus dem Jenseits schlecht für Nachschub sorgen. Hercule Poirot mit seinen „kleinen grauen Zellen“ war mein Held und „Cluedo“ halte ich immer noch für ein aufregendes Spiel.  Und spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, wie zart besaitet ich bin.

Kein Wunder also, dass ich mit Robert Galbraiths „Der Ruf des Kuckucks“ in meiner persönlichen Komfortzone angelangt bin. Der Ohrensessel lässt grüßen weiterlesen