Archiv der Kategorie: Beziehungsroman

Immer diese Beziehungen

Knecht, Doris: Alles über Beziehungen, Rowohlt 2017. / Ryan, Christopher/Jetha, Cacilda: Sex. Die wahre Geschichte, Klett-Cotta 2016.

Doris Knechts Roman „Alles über Beziehungen“ und Ryan/Jethás Sachbuch „Sex. Die wahre Geschichte“ – Das sind zwei Bücher, die laut Titel nichts weniger als die umfassende Wahrheit für sich beanspruchen. Na endlich! Buch gelesen, verstanden, fertig. Ach, wenn es doch so einfach wäre… Doch was ist die wahre Geschichte? Und wer weiß schon alles über Beziehungen? Doris Knecht  zumindest kennt sich ziemlich gut aus, wenn es um „moderne“ Beziehungen oder vielmehr um den modernen Großstädter und sein Beziehungsgeflecht geht. Mit „Alles über Beziehungen“ hat sie die Viktors Geschichte geschrieben. Eine Geschichte über einen Mann, der das Fremdgehen einfach nicht lassen kann und somit ziemlich viele Beziehungen pflegt. Immer diese Beziehungen weiterlesen

Utopia, mon amour

Gary Shteyngart: „Super Sad True Love Story“, Rowohlt 2011.

Die USA ist am Boden: Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, der Dollar abhängig von der chinesischen Währung. Geführt wird das Land von einer dauerhaften Übergangsregierung, die nur noch aus einer Partei besteht. Und ein durchgeknallter Verteidigungsminister hat die ehemalige Großmacht in eine sinnlose Militärmission in Venezuela verstrickt, die sich langsam zum Bumerang entwickelt. Klingt wie ein Zukunftsszenario, auf das die Vereinigten Staaten unter ihrem neuen Präsidenten zusteuern? Allerdings! Utopia, mon amour weiterlesen

Von Buch zu Buch

HStärkstenelene Uri, „Honigzungen“, Heyne 2004 /„Nur die Stärksten überleben“, Piper 2008

Ich finde, es ist an der Zeit, einmal über einen Dauergast in meinem Bücherregal zu schreiben. Über eines der Bücher, die mich bei jedem Umzug begleiten und die ich niemals dem offenen Bücherschrank oder der örtlichen Bibliothek spenden würde.
Schon mal was von Helene Uri gehört oder gar gelesen? Nein? Das wundert mich nicht. Frau Uri ist nicht gerade als Bestsellerautorin bekannt, zumindest nicht hierzulande. In Norwegen sieht das schon ein wenig anders aus, dort wird sie mit Preisen zwar nicht gerade überhäuft, aber zumindest bedacht und war mit „Nur die Stärksten überleben“ sogar über ein Jahr auf der Bestsellerliste vertreten. Und die Bücher der promovierten Sprachwissenschaftlerin wurden u.a.  sogar ins Litauische und Ungarische übersetzt.
Vor einigen Jahren habe ich ihr Buch „Nur die Stärksten überleben“ in einer Verlagsramschkiste gefunden, geradezu verschlungen und nicht wieder vergessen. Da ich damals unter einem regelrechten Bücherüberangebot „litt“, ist das schon bemerkenswert. Von Buch zu Buch weiterlesen

Unterwegs mit Anita

ArztromanKristof Magnusson: „Arztroman“, Verlag Antje Kunstmann 2014.

Emergency Room, Grey’s Anatomy, Dr. House. – Das alles ist nichts für mich. Medizin in Film und Fernsehen lässt mich kalt, geradezu eiskalt.
Aber wehe, ich kriege eine „Apotheken-Umschau“ in die Finger! Und an manchen Tagen juckt mich das Weltgeschehen nicht so sehr wie der „Rätselhafte Patient“ auf Spiegel Online.
Auch Arztromane standen noch nie auf meiner Liste, da fühle ich ja förmlich das dünne Papier. Um nur eines der geringeren Übel zu nennen. Ganz nüchtern hingegen kommt das 2014 erschienene Werk von Kristof Magnusson, den man spätestens seit „Das war ich nicht“ kennt und kennen sollte, daher. Er nennt es einfach „Arztroman“. „Ärztinnenroman“ klingt eben einfach nicht gut. Aber genau das ist es: Ein Roman, der sich mit einer Notärztin, ihren Patienten, Kollegen und selbstverständlich mit ihrem Privatleben beschäftigt. So nüchtern wie der Titel ist auch das Cover, schlicht und gut. Unterwegs mit Anita weiterlesen

Frau Taschler, Herr Glauser und der Preis

DeutschlehrerinJudith W. Taschler: „Die Deutschlehrerin“, Droemer 2014

Ab und an schaue ich nach, wer denn diesmal den Glauser-Preis gewonnen hat. Im Jahr 2014 ging er an Judith W. Taschler und ihren Roman „Die Deutschlehrerin“. Für alle, die den Preis nicht kennen: Seit mehr als 20 Jahren wird der „Glauser“ für den besten Kriminalroman verliehen. Und zwar vom „Syndikat“, der Autorengruppe deutschsprachiger Krimi-Schriftsteller. Das Preisgeld von 5000 Euro bringen die Autoren selbst auf; für solch hochkarätige Mitglieder wie Sebastian Fitzek und Ingrid Noll dürfte das ja kein Problem darstellen. Frau Taschler, Herr Glauser und der Preis weiterlesen

Helsinki ist überall

TeirPhilip Teir: Winterkrieg”, Blessing Verlag 2014

Die Buchmesse 2014 ist Geschichte und Ehrengast Finnland bereitet sich daheim mit Korvapuusti und Karhu auf den langen, dunklen Winter vor. Da wird es wirklich Zeit, meine diesjährige Buchmessenentdeckung unter die Leser zu bringen.

Philip Teirs „Winterkrieg“ kann man nämlich auch und nicht nur im deutschen Winter sehr gut lesen. Glücklicherweise nahm die örtlichen Stadtbücherei die Buchmesse zum Anlass, dieses Buch an exponierter Stelle zu präsentieren – sicherlich wäre es mir sonst nicht begegnet. Ob es ohne den finnischen Ehrengast überhaupt in Deutschland erschienen wäre? Wie hätte dann wohl das Marketing ausgesehen? Hätte die Bibliothekarin „Winterkrieg“ überhaupt gekauft und so aufgestellt, dass man förmlich darüber stolpern musste? Vielleicht sollte ich mal nachfragen… Helsinki ist überall weiterlesen