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Die Summe der einzelnen Teile I

u1_978-3-596-18940-3Auf fast allen Titeln moderner Belletristik-Bücher in einer Buchhandlung steht ein kleines Wörtchen an prominenter Stelle auf dem Cover: Roman. Nicht ohne Grund hat sich die Gattung als die beliebteste bei den Leserinnen und Lesern herauskristallisiert. Erwartet man sich von ihr doch den größten Lesegenuss, weil der in der Regel große Umfang und die fließende Handlung ein tiefes Eintauchen in andere Welten verspricht.

Doch scheinen in den vergangenen Jahren viele Autoren den Leser aus dieser Komfortzone herausschubsen und fordern zu wollen – so zumindest meine Wahrnehmung. Sie brechen mit der Erwartungshaltung, indem sie die stringente Struktur des Romans zunehmend dekonstruieren und kleinteiliger werden lassen. Aufgefallen ist mir das vor kurzem, als ich zufälligerweise zwei Bücher hintereinander gelesen habe, die sich in der Struktur sehr ähneln und die ich deshalb kurz hintereinander vorstellen möchte: Jennifer Egans „Der größere Teil der Welt“ und „Die Unperfekten“ von Tom Rachman. Beides sind Episodenromane, doch unterscheiden sie sich erheblich dadurch, wie die einzelnen Teile miteinander verbunden sind.

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Gewohnt schrullig

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Sven Regener: „Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt“, Verlag Galiani, 2013.

Seit ungefähr 20 Jahren nimmt die deutsche Band Element of Crime immer das gleiche Album auf. Regelmäßig erscheinen zehn bis zwölf neue Lieder – von Frontmann Sven Regener selbst ganz richtig mit dem Schlachtruf „Romantik!!!“ versehen. Sicher tut man der Band nicht unrecht, wenn man sagt, sie mache Stimmungsmusik im positiven Sinn: Ihre Musik hüllt den Hörer dank schöner Worte und geruhsamer Musik in eine melancholische Atmosphäre ein. Allerdings besteht die Gefahr, dass unter diesem Schleier die Songs zu einem großen Brei zusammenfließen und der Charakter einzelner Songs verloren geht. Das Risiko, sich zu wiederholen und dabei beliebig zu werden, besteht nicht nur in der Musik, sondern auch in der Literatur. Gewohnt schrullig weiterlesen